Annodazumal

Annodazumal ist trendy. Und zwar schon seit längerem.

Ich kann mich daran erinnern, wie wir vor über 15 Jahren begonnen hatten unsere erste Wohnung einzurichten. Unser Ziel war es damals, die rein aus IKEA bestehende Möbel-Sammlung langsam aber stetig mit einzelnen ausgesuchten Stücken zu ersetzen. Und wie es damals schon sehr trendig war, waren dies neben damals noch modernen Sofas dann auch immer wieder einmal schöne alte Möbel von annodazumal, sei es ein alter Bauernschrank oder eine alte Truhe.

In den letzten Jahren hat sich dieser Trend stark verstärkt und hat sich zu «aus Neu mach Alt» gewandelt: Shabby Chick. Wer von uns fühlt nicht diesen inneren Zwang, diese herrlich anzusehenden Dinge wie Dekor, Töpfe, kleine Möbel immer wieder zu kaufen? Oder wer hat gar schon selber aus einem eher unscheinbaren Möbel ein schmuckes Shabby-Chick-Teil kreiert? Ich frage mich, wann wir die ersten neuen Autos mit runden Scheinwerfern und verrosteten Ecken sehen werden. Und vielleicht wieder einmal mit Weisswandreifen? Das wär doch was!

Auch beim Essen scheint dieser Trend immer mehr Einzug zu halten. Alte Gemüse- und Früchtesorten sind beliebter denn je. Und die schon immer sehr beliebten Kochrezepte (wer kennt nicht die schon von unseren Eltern in unzähligen Versionen gesammelten Betty Bossi Kochbücher 😊?) findet man heute in jeder Zeitschrift und in unzähligen Online-Foren. Und immer mehr drehen sie sich in letzter Zeit um Themen wie «Essen wie im Mittelalter» oder ganz aktuell «das älteste deutschsprachige Kochbuch der Schweiz» – die bischöfliche Küche von Chur im 16. Jahrhundert. Erst gerade erschienen und schon ausverkauft!

Woher kommt dieser Wunsch, dieser Drang nach annodazumal?

Ein Grund dürfte der allgemeine gesellschaftspolitische Trend sein: Ich denke, dass früher die Menschen meist eine «bessere Zukunft» vor Augen hatten. Heute orientieren sich viele mehr an der «guten alten Zeit».

Ein anderer Grund dürfte sicher auch der sein, dass die Menschen heute versuchen, sich immer gesünder zu ernähren. Bio, Regional, Clean Eating, Superfoods etc. sind in aller Munde. Und somit ist der Schritt zu den alten Rezepten, welche ohne Ausnahme aus frischen, unverarbeiteten, regionalen Zutaten zu 100% selbst gemacht wurden, nicht mehr gross.

Und so habe ich vor wenigen Tagen unsere letzten Trauben in Konfitüre verwandeln wollen und habe ein neues Rezept dazu gesucht, da es mir als als zu langweilig erschien, immer nur 1kg Trauben und 1kg Gelierzucker zusammenzumischen und fertig. Das Rezept war von «doazmol» und enthielt sage-und-schreibe eine halbe Seite Anleitung, wie man den Zucker «läutern und zu Faden kochen» sollte. Aha, in der Tat, es gab damals noch keinen Gelierzucker! Der Rest des Rezeptes war spannenderweise ziemlich exakt so, wie meine Schnellvariante aussah. Und so habe ich schliesslich in Anbetracht meines Zeitplanes dann doch wieder auf meinen modernen Gelierzucker zurückgegriffen und das «annodazumal»-Rezept für einmal links liegen gelassen…

Euer Pascal

Schicksale

Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, können in Zürich im Pfuusbus gratis essen und schlafen. Ich helfe gelegentlich im Pfuusbus aus. Die Schicksale, denen man dort begegnet, sind mannigfaltig.

Da ist Stefan. Trennung vor gut 2 Jahren, dann Diagnose Krebs. Er verliert die Wohnung, lebt seit über einem Jahr auf der Strasse. Und nun endlich nach über 2 Jahre Leidensgeschichte: Er ist wieder gesund, will und kann wieder arbeiten und hat sogar eine kleine Wohnung gefunden. Neustart in ein menschenwürdiges Leben.

Da ist Anna. Schlank, gross, lange dunkle Haare, sympathisches Gesicht. Um die 50. Übernachtet regelmässig hier oben beim Albisgüetli. Warum? Ich spreche sie an und mir wird vieles klar. Sie spricht von Verwandten, die nur ihr Geld wollen. Polizei, die sie immer wieder mitnimmt. Spricht mit sich selber. Die ganze Zeit. Sie ist in einer eigenen Welt, will vielleicht auch hier sein oder kann nicht anders.

Da ist ein junger Unbekannter. Ich sehe ihn nur einmal. Noch keine 20. Er setzt sich still, bedrückt und in sich gekehrt im Pfuusbus in die Ecke. Nimmt sein Essen, hat keinen richtigen Hunger. Was führt diesen jungen Menschen wohl hierher? Ich weiss es nicht. Oft braucht es nur wenig, um auf der Strasse zu landen. Eine Gratwanderung. Wo ist er heute?

Da ist Iwan. Ihm wurde heute sein Handy gestohlen. 50% seines Besitzes, noch viel schlimmer: Da drin war sein ganzes soziales Leben, Adressen, Kontakte. Er hat die Nase voll. Und will hier weg, raus aus diesem unwürdigen Leben. Er spricht mit uns, mit der Sittenpolizei, will Hilfe, Kontaktstellen, wohin er sich wenden kann, um wieder Fuss zu fassen. Er will!

Da ist Dani. Ein ehemals Bündner Original, wie man es sich vorstellt. Lange verfilzte Haare und Bart. Farben lassen sich an seiner Kleidung keine mehr erkenne. Wohl seit Jahrzehnten auf der Strasse. Ist er 50, 60, 70? Keine Ahnung. Aber ein guter Typ. Aufgestellt, urchig und hilfsbereit. Ohne ihn würde hier oben im Pfuusbus des Öfteren einiges nicht funktionieren. Er repariert alles, räumt Abfallsäcke weg, tut, was er kann. Und geht dann in sein Zelt irgendwo am Üetliberg übernachten. Wenn er nicht schlafen kann, bastelt er wunderschöne kleine Figuren und Objekte.

Man könnte Seiten füllen. Es gibt so viele Schicksale hier: traurige, bedrückende, unverständliche, unbegreifliche. Sie lassen einen das Leben mit anderen Augen anschauen.

Euer Pascal

Ein schneller Zvieri: Nussstangen selbst gemacht

Nachdem ich in der letzten Zeit eher über schwer-gewichtige Themen geschrieben habe, möchte ich heute wieder einmal etwas leichtere Kost einbringen. Wobei – leichte Kost ist relativ. Denn der Gegenstand dieses Chuchichäschtlis hat es kalorienmässig durchaus in sich. Worum geht’s?

Ich bin stets auf der Suche nach besonders gelungenen Rezepten. Und da Nussgipfel schon immer zu meinen Lieblingsdesserts gehörten, stand ein Rezept für wirklich gute Nussgipfel oder Nussstangen schon lange zuoberst auf meiner Wunschliste. Heute möchte ich Euch das Resultat dieser Suche zeigen: ein besonders einfaches aber sehr schmackhaftes Rezept. Ihr braucht für die Vorbereitung vielleicht 15 Minuten, den Rest erledigt der Ofen für Euch – ist also ideal auch für einen spontanen Zvieri. Und die meisten Zutaten dürftet Ihr eh zu Hause haben.

Ihr braucht für etwa 15 kleine Nussstangen 1 Pack Blätterteig (Standardgrösse 4-eckig), 120 gr gemahlene Haselnüsse, 50 gr Zucker, 25 gr Butter, 1 Ei, 1 Pack Vanillezucker und Puderzucker zum Bestäuben.

Und so geht’s:

  1. Den Ofen auf 200° vorheizen. Die Butter schmelzen. Ei mit Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, Nüsse und Butter dazugeben und gut mischen.
  2. Den Blätterteig ausrollen. Mit einem Messer der Länge nach mittig in 2 Hälften schneiden. Die Masse auf der einen Hälfte gleichmässig verteilen. Die andere Hälfte darüberlegen (am einfachsten zusammen mit dem Backpapier).
  3. Das Ganze in ca 15 Streifen schneiden – je ca 2.5 bis 3 cm breit. Die Streifen von Hand verdrehen und auf dem Blech / Backpapier platzieren.
  4. Die Nussstangen in knapp 20 Minuten goldbraun backen. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestäuben und servieren.

En Gueta

Euer Pascal

Kartoffelsack und Pistenschreck

Was haben ein Kartoffelsack und ein Pistenschreck gemeinsam? Nichts? Oh doch, unter Umständen sogar sehr viel! In unserem Fall sind gerade mal knappe 5 Minuten dazwischengelegen. Aber lasst uns doch am Anfang beginnen….

Da wir seit letztem August regelmässig „Zwangsferien“  – sprich Schulferien – haben, sind wir dieses Jahr schon Mitte Februar für einige Tage in Kleinkinder-taugliche Skiferien verreist. Klar erklärtes Ziel: Mit Unterstützung von Grosspapi „Ene“ den beiden Kleinen das Skifahren beizubringen!

Und so haben wir uns dann eines Morgens mit einem vollstbeladenen Auto samt Grosspapi im Gepäck in Richtung unseres kleinen aber feinen liechtensteinischen Skigebietes zum Schnee-Kinderparadies aufgemacht. Mit durchaus etwas bangem, leicht nervösen Bauchgefühl, da die beiden Kleinen bisher vielleicht 3 Mal auf den Skiern standen – und dies in Summe knappe 2 Stunden mit sehr mässigem Erfolg. Es war in der Regel eher eine Kombination von Kartoffelsack, Schiffe Versenken und Tütschäutelifahren…

Genug der Vergangenheit und zurück in die Gegenwart.

Tag 1: So standen die beiden da, Skier angeschnallt, der „fliegende Teppich“ bereit sie nach oben zu bringen. Papi, Mami und Grosspapi ebenfalls mit Skiern ausgerüstet. Nach den ersten Versuchen haben die Erwachsenen die Skier mal definitiv für den ersten Tag „an den Nagel“ gehängt und versucht, positive Energie und Motivation zu versprühen. Motto des Tages: Man stelle einen Kartoffelsack auf 2 Skis, gebe ihm einen Schupf und warte, bis er 3 Meter später von alleine umfällt. Nach einer Energieauftank-Mittagspause dann der 2. Versuch. Und immerhin, da sind doch ein paar Kurven zu erahnen. Müde ging es dann nach Hause….

Tag 2: Der ersehnte Durchbruch? Dieses Mal haben die Erwachsenen (aus Erfahrung wird man klug) die Skier zu Hause gelassen, da man am ersten Tag ja jederzeit zu Fuss deutlich schneller als die beiden Kleinen war. Und hoch geht es wieder. Aber: Ernüchterung macht sich breit. Es sind zwar ein paar Kurven sichtbar, aber der Tenor zu Mittag ist eindeutig:

„Papi, ich will nicht mehr Skifahren“ – „Skifahren ist Gaggi!“ – „Ich will nach Hause zu Grossmami!“

Mit Sirup, Spaghetti und Kuchen wird alles versucht, die Motivation nochmals anzustacheln. Aber Mitte Nachmittag ist der Frust gross, die Motivation auf Mikrobengrösse geschrumpft und die Geduld fast zu Ende. Und dann? Mami winkt mit Gummibärli, und der Grosse beginnt auf einmal nach unten zu kurven, als hätte er den ganzen Tag nichts anderes gemacht. Und lacht! Der Kleine, die Gummibärli vor Augen, sieht seinem Bruder zu, denkt: „Das kann ich auch“, stellt sich oben hin, und fräst Sekunden später ganz unten fast in das Sicherheitsnetz hinein. Pistenschreck hoch drei.

Eine Stunde später der Papi: „So, noch einmal, dann ist fertig für heute.“

Die Kleinen: „Ich will noch nicht nach Hause!“ – „Das ist unfair, nur noch 3 Mal!“

Und was haben wir Eltern gelernt? Geduld ist alles. Kartoffelsack und Pistenschreck können ganz nahe beieinander liegen.

Euer Pascal

PS. Meinen Söhnen zuliebe muss ich hier noch anmerken, dass ich dieses Chuchichäschtli vor ziemlich genau 2 Jahren geschrieben habe. Heute sieht es natürlich auf der Piste gaaaaaanz anders aus…. 🙂

A bit of life advice – ein paar Lebensweisheiten

Am 3. Januar 2018 stellte Holly diesen Brief auf Facebook. Keine 24 Stunden später nach der Veröffentlichung ihrer Liste mit Lebenweisheiten starb sie im Alter von 27 Jahren umgeben von ihrer Familie…

Dieser Brief hat mich tief berührt. Ich denke, es wäre im Sinne von Holly gewesen, dass ich diesen Brief hier in Auszügen veröffentliche. Hier ist er:

«Es ist seltsam, deine Sterblichkeit im Alter von 26 Jahren zu erkennen und zu akzeptieren. Es ist nur eines dieser Dinge, die du ignorierst. Die Tage verstreichen und du erwartest einfach, dass weitere folgen werden; bis das Unerwartete passiert. Ich stellte mir immer vor, wie ich alt, runzlig und grau werde – höchstwahrscheinlich dank meiner schönen Familie, die ich mit der Liebe meines Lebens gründen wollte. Ich will das so sehr, dass es weh tut.

Das Leben ist zerbrechlich, kostbar, unberechenbar und jeder Tag ist ein Geschenk, kein gegebenes Recht. […]

Ich schreibe diesen Brief nicht, damit der Tod gefürchtet wird – ich mag die Tatsache, dass wir meistens unwissend sind. […] Ich möchte nur, dass die Menschen aufhören, sich so viele Gedanken über die kleinen, bedeutungslosen Strapazen im Leben zu machen und sich daran erinnern, dass wir alle das gleiche Schicksal haben. Also tut, was ihr könnt, um eure Zeit würdig und grossartig zu machen – ohne den unnötigen Bullsh*t. […]

Anstatt über lächerliche Dinge zu jammern […], solltet ihr lieber an jemanden denken, der wirklich Probleme hat. Seid dankbar für eure kleinen Probleme und kommt schnell über sie hinweg. […].

Sobald ihr das getan gehabt, geht an die frische Luft und nehmt tief Luft. Seht, wie blau der Himmel ist und wie grün die Bäume sind; es ist so schön. Denkt daran, wie viel Glück ihr habt, genau das zu tun – zu atmen.

Lasst alle negativen Gedanken los […] Ich versichere euch, dass ihr nicht mehr an unnötige Sorgen denken werdet, wenn ihr an der Reihe seid. Das ist alles so unwichtig, wenn man das Leben als Ganzes betrachtet. Ich beobachte, wie mein Körper verfällt, ohne dass ich etwas dagegen tun kann und alles, was ich mir jetzt wünsche, ist, dass ich nur noch einen Geburtstag oder noch einmal Weihnachten mit meiner Familie oder nur einen weiteren Tag mit meinem Partner und meinem Hund verbringen könnte. Nur noch einmal.

Ich höre wie sich Leute darüber beschweren, wie schrecklich die Arbeit ist oder wie schwer es ist zu trainieren – Seid dankbar, dass ihr körperlich dazu überhaupt in der Lage seid. Arbeit und Sport mögen so trivial erscheinen… bis euer Körper es euch nicht mehr erlaubt, beides zu tun.

Ich habe versucht, ein gesundes Leben zu führen, das war wahrscheinlich meine grosse Leidenschaft. Schätzt eure gute Gesundheit und eure funktionierende Körper – auch wenn ihr nicht die ideale Körperform habt. […].

Klagt weniger, Leute! Und helft einander. Gebt, gebt, gebt. Es ist wahr, dass Ihr selber glücklicher werdet, je mehr Ihr anderen helft anstelle nur Euch selber. […].

Versucht einfach zu geniessen und achtsam zu sein, anstelle immer jeden Moment durch den Bildschirm des Handys zu sehen. […]. Geniesst einfach den verd*n Moment! […].»

Den gesamten, sehr lesenswerten Abschiedbrief könnt Ihr auf Facebook lesen (HollyButcher90).

Die Zaubermaschine

Seit letztes Jahr das Jahrhundertjahr der Äpfel war, und somit die Thurgauer wie aber auch unsere Bauern hier in der Gegend von Äpfel nur so überschwemmt wurden, ist die Versuchung nach Apfelmus zumindest in meiner Familie grösser denn je. Und gerade mit meinen 3 kleinen Rackern (sogar Klein-Fiona beteiligt sich schon mit Feuereifer daran) kann ich Apfelmus kaum so schnell herbeischaffen, wie es gegessen wird. Die wissen, was gut ist, die Römer … äh die Kleinen.

Und Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon alle verschiedenen Sorten aus Migros, Coop, Volg und Spar etc. ausprobiert in der Hoffnung, endlich das perfekte, nicht zu süsse Apfelmus zu finden? Häufig vergebens? Also, selber Hand anlegen ist das Motto.

Dieses Abenteuer (das ist es, wenn man alleine mit drei kleinen Kindern zuhause ist) hat drei Phasen:

1) ein Besuch bei unserem Bauern Guyer, der hinten in der Ecke fast immer eine grosse Kiste mit Kochobst zum Verkauf stehen hat (perfekt für unser Vorhaben). Also, nehmen wir mal 10 kg, denn es muss sich ja lohnen.

2) Nach dem Motto, wie kriege ich 10 kg trotz oder gerade mit den 3 Kleinen geschält und ohne „Bizgi“ so schnell in den Topf, dass weder Kimi noch Florian den Vertleider kriegen? Theo (Danke!) hatte den sensationellen Geheimtipp: Die Zaubermaschine, die in einem Schritt schält, Bizgi entfernt und den Apfel in Ringe schneidet. Und das Schöne daran? Die Kleinen lieben diese Maschine und könnten somit STUNDENLANG mithelfen! Win-win!

3) Der Rest ist banal. Ich lasse Äpfel Äpfel sein und gebe meistens außer etwas Zitronensaft und vielleicht mal eine Zimtstange gar nichts hinein, weder Zucker noch sonst was. Somit schmeckt zwar das Apfelmus je nach Äpfel immer etwas unterschiedlich, hat aber immer seinen eigenen Charakter. Und süss genug ist es allemal. Nun die Äpfel köcheln lassen, bis sie weich sind. Mein letzter Trick: Nicht pürieren, sondern den good-old-English Kartoffelstampfer verwenden. Dies gibt die perfekte Konsistenz.

Zum Schluss heiss in Einmachgläser abgefüllt könnt Ihr das selbstgemachte Apfelmus nun Wochen- oder gar Monatelang aufbewahren.

En Gueta, Euer Pascal

(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im April 2015)

PS. Das Titelbild stammt von der Website des Herstellers Rosenstein & Söhne.

Sauerkraut und nackte Füsse

Ich bin in einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen. Und ich kann mich erinnern, dass es über das Jahr verteilt viele Traditionen gab, an denen jeweils die ganze Familie teilgenommen hat. So zum Beispiel im Frühjahr Kartoffeln setzen, das Mosten im Herbst und – für uns Kinder immer ein Höhepunkt – Sauerkraut machen.

So haben wir uns vor zwei Jahren entschieden, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Warum? Es macht Spass, unseren Kindern einige dieser alten Traditionen weiterzugeben!

Hilfsmittel braucht es nicht viele. Unumgänglich ist ein Gärtopf (z.B. ein 10l-Topf aus der Landi) und einen Krauthobel (alternativ geht auch ein grosses Messer….). Dazu natürlich 10 kg Weisskohl / Kabisköpfe, etwas Salz (ca 10-15 gr pro 1 kg Kohl) und eine Handvoll Wachholderbären – äh -beeren. Und nicht vergessen: Ein paar Kinderfüsse.

„Kinder: Wisst Ihr noch, letztes Jahr? Wollt Ihr wieder mitmachen?“
„Was denn, Papi?“
„Sauerkraut stampfen!“
„Der Mittlere: Au JAAAAA!!“
„Die Kleine: Quieeeetsch?!?“
„Der Grosse: Wäh, Gruusig!“

Nun ja, auch dies hat sich dann ergeben. Kaum waren die Kabisköpfe gehobelt im grossen Bottich gelandet, standen alle Drei mit nackten Füssen da. Nun bitte sehr gründliches Waschen nicht vergessen (Sauberkeit ist sehr wichtig – und das Auge ist mit J), das Salz reingeben, und los geht’s. Das Kraut muss mit den Füssen (unterstützt von Papis Fäusten) solange zerdrückt werden, bis es so richtig im Saft schwimmt, was erstaunlich schnell geht. Salzgehalt prüfen: Es muss angenehm salzig schmecken. Eine kleine Handvoll Beeren reingeben und alles sorgfältig in den Gärtopf schichten. Auf den Boden und obendrauf lege ich immer ein paar übriggebliebene Kohlblätter. Wichtig: Das Kraut muss vollständig mit Saft bedeckt sein. Dann Abschlusssteine draufpacken, Topf verschliessen und die ersten 2-3 Wochen etwas wärmer, dann im Keller lagern. Unbedingt regelmässig den Flüssigkeitspegel und die Sauberkeit kontrollieren. Wenn nötig, Belag entfernen und Flüssigkeit im Topf und am Rand mit Salzwasser auffüllen. Ab etwa 4 Wochen könnt Ihr bereits das erste Mal probieren.

Bei Fragen ungeniert auf mich zukommen oder das Internet zu Rate ziehen.

En Gueta, Euer Pascal

(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im Dezember 2015)

Begegnungen dritter Art

Wieder einmal ist es Zeit für die monatliche Kolumne. Und so sitze ich hier und überlege, worüber ich diesen Monat schreiben möchte. Da ich aber zurzeit mehrere Tage geschäftlich in den USA unterwegs bin, sind klassische Chuchichäschtli-Themen doch ziemlich weit entfernt. Und deshalb habe ich mich entschieden, Euch dieses Mal etwas über Begegnungen dritter Art zu erzählen, wie ich sie selber heute Morgen hier am Rande des Rocky Mountains National Park erlebt habe.

Zuerst eine Frage: Wisst Ihr, was ein Moose ist? Nein? Ich wusste nur, dass dies eine Art Elch und in seiner Art die grösste Variante der Deer Familie ist, wozu auch klassische Elche und Hirsche gehören. Und seit heute weiss ich, dass – in den Worten eines US-Einheimischen – diese Riesenviecher charakterlich die  Rhinozerösser Amerikas sind, nämlich je momentaner Lust und Laune zu den aggressivsten und gefährlichsten Tiere der Rockies gehören. Zitat: „Schau, dass immer mindestens ein seeehr grosser Baum zwischen Dir und dem Moose ist“.

Und solch ein Riesen-Prachtexemplar haben wir heute Morgen hier in Colorado gemütlich dösend im Garten unserer Lodge vorgefunden. Kaum 5 Minuten später war die ganze Lodge auf den Beinen: hinter den Fenstern, auf dem Balkon; die ganz Mutigen haben um die Hausecke gespienzelt, nur um einen Blick auf dieses Urgetüm werfen zu können, immer sehr sorgfältig darauf bedacht, dass unser Moose ja nicht auf uns aufmerksam wird, denn wehe dem der….

Eine halbe Stunde später hatte unser Kollege sich fertig ausgeruht, nur um kaum fünf Minuten später einer ganzen Familie Platz zu machen: Papi-Moose, Mami-Moose und 2 Babies. Unglaublich! Beim Anblick dieser Herde wurden nun sogar unsere Landlords sehr „excited“ und haben mit Worten wie „extraordinary“, „lovely“ usw nicht mehr gegeizt. Mein Handy hat sein Bestes gegeben, aber dieses eine Mal habe ich meine altbewährte Spiegelreflex-Kamera sehr vermisst….

Dass ich dann eine knappe Stunde später auf einer wunderbaren Joggingrunde durch die hiesigen Wälder noch über Hasen und eine ganze Herde Deers (Hirsche) gestolpert bin und nebenbei während der ganzen Zeit sehr sorgfältig Ausschau nach dem Mountain Lion gehalten habe, der angeblich irgendwo hier in der Gegend zu Hause sein soll, ist fast nicht mehr erwähnenswert.

Rockies, ich komme wieder!

Bis nächsten Mal

Euer Pascal

(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im November 2015)

Trumpomania und die Amerikanische Esskultur

Vor kurzem war ich wieder einmal geschäftlich einige Tage im Ausland unterwegs. Obwohl ich diese Reisen natürlich zum Arbeiten unternehme, schätze ich auch die Nebeneffekte ausserordentlich – wie den Erholungswert ungestörter Nächte, und die Tatsache, dass der Jetlag mich ohne Zwang dazu bringt, täglich schon lange vor dem Frühstück ein paar Kilometer zu Laufen. Ebenfalls freue ich mich jedes Mal darauf, wieder ein paar neue Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.

Dieses Mal ging es in die USA – und zwar nach Alabama und Colorado. Kaum schlägt man über dem Teich in diesen Tagen eine Zeitung auf oder schaltet den Fernseher ein, wird man von einem einzigen Thema dauerberieselt: die Trumpomania – ein echtes Phänomen unserer Neuzeit. Ich bin ganz sicher, über diesen Herrn werden noch unzählige Bücher und Studien geschrieben werden. Wirklich verblüffend, schon fast spannend, dies als Europäer mitzuverfolgen. Ich habe mich dann aber lieber den kulinarischen Aspekten dieser Kultur zugewandt. Und diese haben sich mir in erstaunlicher Vielfalt offenbart.

Früher war ich immer der Auffassung, dass Esskultur und USA nicht vereinbar sind. Beim Frühstück denke ich dies auch heute noch. Da wird einem im Hotel voller Stolz vom „complementary breakfast buffet“ vorgeschwärmt; und was finde ich? Weiche Donats, Bagels, Kartoffeln und Orangensaft, dem man das Konzentrat schon von weitem ansieht. Den Kaffee müsste man Kübelweise einkochen, bis er die Konsistenz einer normalen Tasse Schweizer Kaffees erreichen würde. Tja, und Brot à-la-Schweizer-Definition scheint schlicht nicht zu existieren. Eine Marktnische? Es kann doch nicht sein, dass sich eine ganze Nation von Toastbrot ernährt….

Aber spätestens beim Abendessen sieht die ganze Sache schon ganz anders aus. Versteckt hinter den Klischees von McDonald und Burger King findet man unzählige kulinarische Höhepunkte: Natürlich die klassischen meist fantastischen Steaks mit allen möglichen Beilagen, dann hervorragende lokale kulinarische Köstlichkeiten wie die Cajun Speisen aus den Südstaaten (mein absoluter Favorit), die verwandte kreolische Küche mit Einschlägen aus der Karibik und Frankreich, alle möglichen Shrimps-Varianten aus Texas (wer erinnert sich nicht an Bubba aus Forrest Gump), an der Ostküste um Boston die grössten Hummer, die ich je gesehen habe, preiswertes aber sehr gutes Mexikanisches Essen im Süden nahe der Grenze und nicht zu vergessen: der Megatrend der gesunden „organic“ Ernährung (womit bei uns ganz einfach „bio“ gemeint ist).

Und zu guter Letzt haben die USA in den letzten Jahren eine unglaubliche Bierkultur vom Feinsten entwickelt. Es gibt an jeder Ecke die unzählige Micro-Brauereien, die auch bei uns mittlerweile überall wie Pilze aus dem Boden schiessen, und die eine Vielfalt von Leckereien produzieren wie Red Ales, Indian Pale Ales und viele verschiedene Spezialsorten wie Hop Bomb, Raccoon Red, Lumpy Dog und das Fire Chief Ale. Ich habe sie natürlich (fast) alles ausprobiert und mich des Öfteren gefragt, ob das Getränk oder die Mahlzeit mehr Kalorien hatte…

Tja, es bleibt mir für heute nur noch die Schlussfolgerung: Es ist ein Gerücht, dass es in den USA nur Burgers gibt. Die Amerikanische Esskultur existiert und lebt – und ist heute überall zu finden.

En Gueta, Euer Pascal

Übrigens: Was ich noch nicht gesagt habe: Ich liebe auch die Englische Küche. Ja, wirklich, nicht gelogen und kein Scherz. Aber darüber sprechen wir gerne ein andermal. Dies zu erklären würde für heute viel zu weit führen….

(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im April 2016)

Die kleinen und die grossen Roten

Sie sind wieder da! Die kleinen Roten…. Nein, nicht diese. Nicht die Radieschen!! Ich bringe die Worte nicht über meine Lippen. Schweiss bricht aus. Tunnelblick – und am Ende des Tunnels: Die kleinen Roten! Und daneben? Die grossen Roten. Und das im März!!?! Doch wo liegt das Problem? Ich muss hierzu ein paar Tage zurück blenden.

Ich ging wieder einmal mit meinen kleinen Racker in unserem orange beschrifteten Lieblingsladen einkaufen. Kaum hatte ich den Einkaufswagen in Richtung Gemüse und Früchte gestossen, haben vier sehr flinke kleine Hände begonnen, unter lautem Hurrageschrei alles Mögliche in meinen Einkaufswagen hinein zu stapeln: JA, wir brauchen eine Mango (aus Panama), oder nein: zwei; und Bananen (aus Brasilien – wenigstens Max Havelaar), und Kiwis (Israel) und – JUPPI – es hat wieder die Roten – und zwar die Grossen und die Kleinen! Alles rein. Ich konnte kaum rechtzeitig Stopp sagen…

Wisst Ihr nun, von was ich spreche? Ja. Erdbeeren und Tomaten – und dies im März. Nun ist es ja nicht so, dass nur Saisonales in Frage kommt. Dazu sind Bananen gerade mit kleinen Kindern einfach viel zu praktisch. Und auch ab und dann vielleicht eine Mango – sie haben sie ja soooo gerne. Aber Erdbeeren? Muss dies wirklich sein?

Meine seit einigen Jahren stetig sensibler werdende innere Stimme für Nachhaltigkeit hat sofort begonnen abzuwägen. Woher kommen die kleinen Roten? Aha, Spanien. In Gedanken ziehen Lastwagenkolonnen am Gotthardportal an mir vorbei, vollgepackt mit Erdbeeren, Abgaswolken hinter sich herziehend. Aber vielleicht gibt es ja welche aus einem Schweizer Treibhaus. Sicher viel besser – aber die paar Tonnen Heizöl? Aber wenn sie Fernwärme wie in Hinwil verwenden? Doch würde man damit nicht besser Häuser beheizen? Aber Moment, da hatte ich doch mal gelesen, dass erstaunlicherweise die Lastwagen in der Energiebilanz doch am besten abschneiden?!? Das Karussell hat sich zu drehen begonnen. Und wie ist es denn beim Lufttransport der geliebten Mango? Überhaupt noch vertretbar oder ganz jenseits von Gut und Böse? Was stimmt denn nun überhaupt noch?

Zu guter Letzt habe ich mich entschieden, die vermeintlichen Fakten auszublenden und einen Bauchentscheid zu Gunsten meiner drei mich mit grossen braunen Rehaugen anschauenden Kinder zu fällen. So gab’s eine Mango und ein paar Bananen, die Erdbeeren und Tomaten blieben aber zum grossen Bedauern allerseits im Regal.

Denn wenn ich eines sicher weiss: Garantiert umweltschonende kleine und grosse Rote wachsen bei uns im Garten. Aber noch sicherer ist, dass dies frühestens in einigen Monaten der Fall sein wird. Und solange können wir warten! Jawohl!

Allerdings… was habe ich gerade heute Abend in unserem Kühlschrank gefunden? Eine Schachtel Erdbeeren. Nicht von mir!! Aber sie sind ja sooooo gut.

En Gueta, Euer Pascal

(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im Mai 2015)