Sie sind wieder da! Die kleinen Roten…. Nein, nicht diese. Nicht die Radieschen!! Ich bringe die Worte nicht über meine Lippen. Schweiss bricht aus. Tunnelblick – und am Ende des Tunnels: Die kleinen Roten! Und daneben? Die grossen Roten. Und das im März!!?! Doch wo liegt das Problem? Ich muss hierzu ein paar Tage zurück blenden.
Ich ging wieder einmal mit meinen kleinen Racker in unserem orange beschrifteten Lieblingsladen einkaufen. Kaum hatte ich den Einkaufswagen in Richtung Gemüse und Früchte gestossen, haben vier sehr flinke kleine Hände begonnen, unter lautem Hurrageschrei alles Mögliche in meinen Einkaufswagen hinein zu stapeln: JA, wir brauchen eine Mango (aus Panama), oder nein: zwei; und Bananen (aus Brasilien – wenigstens Max Havelaar), und Kiwis (Israel) und – JUPPI – es hat wieder die Roten – und zwar die Grossen und die Kleinen! Alles rein. Ich konnte kaum rechtzeitig Stopp sagen…
Wisst Ihr nun, von was ich spreche? Ja. Erdbeeren und Tomaten – und dies im März. Nun ist es ja nicht so, dass nur Saisonales in Frage kommt. Dazu sind Bananen gerade mit kleinen Kindern einfach viel zu praktisch. Und auch ab und dann vielleicht eine Mango – sie haben sie ja soooo gerne. Aber Erdbeeren? Muss dies wirklich sein?
Meine seit einigen Jahren stetig sensibler werdende innere Stimme für Nachhaltigkeit hat sofort begonnen abzuwägen. Woher kommen die kleinen Roten? Aha, Spanien. In Gedanken ziehen Lastwagenkolonnen am Gotthardportal an mir vorbei, vollgepackt mit Erdbeeren, Abgaswolken hinter sich herziehend. Aber vielleicht gibt es ja welche aus einem Schweizer Treibhaus. Sicher viel besser – aber die paar Tonnen Heizöl? Aber wenn sie Fernwärme wie in Hinwil verwenden? Doch würde man damit nicht besser Häuser beheizen? Aber Moment, da hatte ich doch mal gelesen, dass erstaunlicherweise die Lastwagen in der Energiebilanz doch am besten abschneiden?!? Das Karussell hat sich zu drehen begonnen. Und wie ist es denn beim Lufttransport der geliebten Mango? Überhaupt noch vertretbar oder ganz jenseits von Gut und Böse? Was stimmt denn nun überhaupt noch?
Zu guter Letzt habe ich mich entschieden, die vermeintlichen Fakten auszublenden und einen Bauchentscheid zu Gunsten meiner drei mich mit grossen braunen Rehaugen anschauenden Kinder zu fällen. So gab’s eine Mango und ein paar Bananen, die Erdbeeren und Tomaten blieben aber zum grossen Bedauern allerseits im Regal.
Denn wenn ich eines sicher weiss: Garantiert umweltschonende kleine und grosse Rote wachsen bei uns im Garten. Aber noch sicherer ist, dass dies frühestens in einigen Monaten der Fall sein wird. Und solange können wir warten! Jawohl!
Allerdings… was habe ich gerade heute Abend in unserem Kühlschrank gefunden? Eine Schachtel Erdbeeren. Nicht von mir!! Aber sie sind ja sooooo gut.
En Gueta, Euer Pascal
(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im Mai 2015)
