Kartoffelsack und Pistenschreck

Was haben ein Kartoffelsack und ein Pistenschreck gemeinsam? Nichts? Oh doch, unter Umständen sogar sehr viel! In unserem Fall sind gerade mal knappe 5 Minuten dazwischengelegen. Aber lasst uns doch am Anfang beginnen….

Da wir seit letztem August regelmässig „Zwangsferien“  – sprich Schulferien – haben, sind wir dieses Jahr schon Mitte Februar für einige Tage in Kleinkinder-taugliche Skiferien verreist. Klar erklärtes Ziel: Mit Unterstützung von Grosspapi „Ene“ den beiden Kleinen das Skifahren beizubringen!

Und so haben wir uns dann eines Morgens mit einem vollstbeladenen Auto samt Grosspapi im Gepäck in Richtung unseres kleinen aber feinen liechtensteinischen Skigebietes zum Schnee-Kinderparadies aufgemacht. Mit durchaus etwas bangem, leicht nervösen Bauchgefühl, da die beiden Kleinen bisher vielleicht 3 Mal auf den Skiern standen – und dies in Summe knappe 2 Stunden mit sehr mässigem Erfolg. Es war in der Regel eher eine Kombination von Kartoffelsack, Schiffe Versenken und Tütschäutelifahren…

Genug der Vergangenheit und zurück in die Gegenwart.

Tag 1: So standen die beiden da, Skier angeschnallt, der „fliegende Teppich“ bereit sie nach oben zu bringen. Papi, Mami und Grosspapi ebenfalls mit Skiern ausgerüstet. Nach den ersten Versuchen haben die Erwachsenen die Skier mal definitiv für den ersten Tag „an den Nagel“ gehängt und versucht, positive Energie und Motivation zu versprühen. Motto des Tages: Man stelle einen Kartoffelsack auf 2 Skis, gebe ihm einen Schupf und warte, bis er 3 Meter später von alleine umfällt. Nach einer Energieauftank-Mittagspause dann der 2. Versuch. Und immerhin, da sind doch ein paar Kurven zu erahnen. Müde ging es dann nach Hause….

Tag 2: Der ersehnte Durchbruch? Dieses Mal haben die Erwachsenen (aus Erfahrung wird man klug) die Skier zu Hause gelassen, da man am ersten Tag ja jederzeit zu Fuss deutlich schneller als die beiden Kleinen war. Und hoch geht es wieder. Aber: Ernüchterung macht sich breit. Es sind zwar ein paar Kurven sichtbar, aber der Tenor zu Mittag ist eindeutig:

„Papi, ich will nicht mehr Skifahren“ – „Skifahren ist Gaggi!“ – „Ich will nach Hause zu Grossmami!“

Mit Sirup, Spaghetti und Kuchen wird alles versucht, die Motivation nochmals anzustacheln. Aber Mitte Nachmittag ist der Frust gross, die Motivation auf Mikrobengrösse geschrumpft und die Geduld fast zu Ende. Und dann? Mami winkt mit Gummibärli, und der Grosse beginnt auf einmal nach unten zu kurven, als hätte er den ganzen Tag nichts anderes gemacht. Und lacht! Der Kleine, die Gummibärli vor Augen, sieht seinem Bruder zu, denkt: „Das kann ich auch“, stellt sich oben hin, und fräst Sekunden später ganz unten fast in das Sicherheitsnetz hinein. Pistenschreck hoch drei.

Eine Stunde später der Papi: „So, noch einmal, dann ist fertig für heute.“

Die Kleinen: „Ich will noch nicht nach Hause!“ – „Das ist unfair, nur noch 3 Mal!“

Und was haben wir Eltern gelernt? Geduld ist alles. Kartoffelsack und Pistenschreck können ganz nahe beieinander liegen.

Euer Pascal

PS. Meinen Söhnen zuliebe muss ich hier noch anmerken, dass ich dieses Chuchichäschtli vor ziemlich genau 2 Jahren geschrieben habe. Heute sieht es natürlich auf der Piste gaaaaaanz anders aus…. 🙂

A bit of life advice – ein paar Lebensweisheiten

Am 3. Januar 2018 stellte Holly diesen Brief auf Facebook. Keine 24 Stunden später nach der Veröffentlichung ihrer Liste mit Lebenweisheiten starb sie im Alter von 27 Jahren umgeben von ihrer Familie…

Dieser Brief hat mich tief berührt. Ich denke, es wäre im Sinne von Holly gewesen, dass ich diesen Brief hier in Auszügen veröffentliche. Hier ist er:

«Es ist seltsam, deine Sterblichkeit im Alter von 26 Jahren zu erkennen und zu akzeptieren. Es ist nur eines dieser Dinge, die du ignorierst. Die Tage verstreichen und du erwartest einfach, dass weitere folgen werden; bis das Unerwartete passiert. Ich stellte mir immer vor, wie ich alt, runzlig und grau werde – höchstwahrscheinlich dank meiner schönen Familie, die ich mit der Liebe meines Lebens gründen wollte. Ich will das so sehr, dass es weh tut.

Das Leben ist zerbrechlich, kostbar, unberechenbar und jeder Tag ist ein Geschenk, kein gegebenes Recht. […]

Ich schreibe diesen Brief nicht, damit der Tod gefürchtet wird – ich mag die Tatsache, dass wir meistens unwissend sind. […] Ich möchte nur, dass die Menschen aufhören, sich so viele Gedanken über die kleinen, bedeutungslosen Strapazen im Leben zu machen und sich daran erinnern, dass wir alle das gleiche Schicksal haben. Also tut, was ihr könnt, um eure Zeit würdig und grossartig zu machen – ohne den unnötigen Bullsh*t. […]

Anstatt über lächerliche Dinge zu jammern […], solltet ihr lieber an jemanden denken, der wirklich Probleme hat. Seid dankbar für eure kleinen Probleme und kommt schnell über sie hinweg. […].

Sobald ihr das getan gehabt, geht an die frische Luft und nehmt tief Luft. Seht, wie blau der Himmel ist und wie grün die Bäume sind; es ist so schön. Denkt daran, wie viel Glück ihr habt, genau das zu tun – zu atmen.

Lasst alle negativen Gedanken los […] Ich versichere euch, dass ihr nicht mehr an unnötige Sorgen denken werdet, wenn ihr an der Reihe seid. Das ist alles so unwichtig, wenn man das Leben als Ganzes betrachtet. Ich beobachte, wie mein Körper verfällt, ohne dass ich etwas dagegen tun kann und alles, was ich mir jetzt wünsche, ist, dass ich nur noch einen Geburtstag oder noch einmal Weihnachten mit meiner Familie oder nur einen weiteren Tag mit meinem Partner und meinem Hund verbringen könnte. Nur noch einmal.

Ich höre wie sich Leute darüber beschweren, wie schrecklich die Arbeit ist oder wie schwer es ist zu trainieren – Seid dankbar, dass ihr körperlich dazu überhaupt in der Lage seid. Arbeit und Sport mögen so trivial erscheinen… bis euer Körper es euch nicht mehr erlaubt, beides zu tun.

Ich habe versucht, ein gesundes Leben zu führen, das war wahrscheinlich meine grosse Leidenschaft. Schätzt eure gute Gesundheit und eure funktionierende Körper – auch wenn ihr nicht die ideale Körperform habt. […].

Klagt weniger, Leute! Und helft einander. Gebt, gebt, gebt. Es ist wahr, dass Ihr selber glücklicher werdet, je mehr Ihr anderen helft anstelle nur Euch selber. […].

Versucht einfach zu geniessen und achtsam zu sein, anstelle immer jeden Moment durch den Bildschirm des Handys zu sehen. […]. Geniesst einfach den verd*n Moment! […].»

Den gesamten, sehr lesenswerten Abschiedbrief könnt Ihr auf Facebook lesen (HollyButcher90).