Vor kurzem war ich wieder einmal geschäftlich einige Tage im Ausland unterwegs. Obwohl ich diese Reisen natürlich zum Arbeiten unternehme, schätze ich auch die Nebeneffekte ausserordentlich – wie den Erholungswert ungestörter Nächte, und die Tatsache, dass der Jetlag mich ohne Zwang dazu bringt, täglich schon lange vor dem Frühstück ein paar Kilometer zu Laufen. Ebenfalls freue ich mich jedes Mal darauf, wieder ein paar neue Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.
Dieses Mal ging es in die USA – und zwar nach Alabama und Colorado. Kaum schlägt man über dem Teich in diesen Tagen eine Zeitung auf oder schaltet den Fernseher ein, wird man von einem einzigen Thema dauerberieselt: die Trumpomania – ein echtes Phänomen unserer Neuzeit. Ich bin ganz sicher, über diesen Herrn werden noch unzählige Bücher und Studien geschrieben werden. Wirklich verblüffend, schon fast spannend, dies als Europäer mitzuverfolgen. Ich habe mich dann aber lieber den kulinarischen Aspekten dieser Kultur zugewandt. Und diese haben sich mir in erstaunlicher Vielfalt offenbart.
Früher war ich immer der Auffassung, dass Esskultur und USA nicht vereinbar sind. Beim Frühstück denke ich dies auch heute noch. Da wird einem im Hotel voller Stolz vom „complementary breakfast buffet“ vorgeschwärmt; und was finde ich? Weiche Donats, Bagels, Kartoffeln und Orangensaft, dem man das Konzentrat schon von weitem ansieht. Den Kaffee müsste man Kübelweise einkochen, bis er die Konsistenz einer normalen Tasse Schweizer Kaffees erreichen würde. Tja, und Brot à-la-Schweizer-Definition scheint schlicht nicht zu existieren. Eine Marktnische? Es kann doch nicht sein, dass sich eine ganze Nation von Toastbrot ernährt….
Aber spätestens beim Abendessen sieht die ganze Sache schon ganz anders aus. Versteckt hinter den Klischees von McDonald und Burger King findet man unzählige kulinarische Höhepunkte: Natürlich die klassischen meist fantastischen Steaks mit allen möglichen Beilagen, dann hervorragende lokale kulinarische Köstlichkeiten wie die Cajun Speisen aus den Südstaaten (mein absoluter Favorit), die verwandte kreolische Küche mit Einschlägen aus der Karibik und Frankreich, alle möglichen Shrimps-Varianten aus Texas (wer erinnert sich nicht an Bubba aus Forrest Gump), an der Ostküste um Boston die grössten Hummer, die ich je gesehen habe, preiswertes aber sehr gutes Mexikanisches Essen im Süden nahe der Grenze und nicht zu vergessen: der Megatrend der gesunden „organic“ Ernährung (womit bei uns ganz einfach „bio“ gemeint ist).
Und zu guter Letzt haben die USA in den letzten Jahren eine unglaubliche Bierkultur vom Feinsten entwickelt. Es gibt an jeder Ecke die unzählige Micro-Brauereien, die auch bei uns mittlerweile überall wie Pilze aus dem Boden schiessen, und die eine Vielfalt von Leckereien produzieren wie Red Ales, Indian Pale Ales und viele verschiedene Spezialsorten wie Hop Bomb, Raccoon Red, Lumpy Dog und das Fire Chief Ale. Ich habe sie natürlich (fast) alles ausprobiert und mich des Öfteren gefragt, ob das Getränk oder die Mahlzeit mehr Kalorien hatte…
Tja, es bleibt mir für heute nur noch die Schlussfolgerung: Es ist ein Gerücht, dass es in den USA nur Burgers gibt. Die Amerikanische Esskultur existiert und lebt – und ist heute überall zu finden.
En Gueta, Euer Pascal
Übrigens: Was ich noch nicht gesagt habe: Ich liebe auch die Englische Küche. Ja, wirklich, nicht gelogen und kein Scherz. Aber darüber sprechen wir gerne ein andermal. Dies zu erklären würde für heute viel zu weit führen….
(1. Veröffentlichung im Seegräbner Boten im April 2016)
