{"id":155,"date":"2018-10-30T21:13:27","date_gmt":"2018-10-30T20:13:27","guid":{"rendered":"http:\/\/chuchichaeschtli.li\/?p=155"},"modified":"2022-05-19T20:23:38","modified_gmt":"2022-05-19T19:23:38","slug":"155","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/chuchichaeschtli.li\/?p=155","title":{"rendered":"Annodazumal"},"content":{"rendered":"<p>Annodazumal ist trendy. Und zwar schon seit l\u00e4ngerem.<\/p>\n<p>Ich kann mich daran erinnern, wie wir vor \u00fcber 15 Jahren begonnen hatten unsere erste Wohnung einzurichten. Unser Ziel war es damals, die rein aus IKEA bestehende M\u00f6bel-Sammlung langsam aber stetig mit einzelnen ausgesuchten St\u00fccken zu ersetzen. Und wie es damals schon sehr trendig war, waren dies neben damals noch modernen Sofas dann auch immer wieder einmal sch\u00f6ne alte M\u00f6bel von annodazumal, sei es ein alter Bauernschrank oder eine alte Truhe.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat sich dieser Trend stark verst\u00e4rkt und hat sich zu \u00abaus Neu mach Alt\u00bb gewandelt: Shabby Chick. Wer von uns f\u00fchlt nicht diesen inneren Zwang, diese herrlich anzusehenden Dinge wie Dekor, T\u00f6pfe, kleine M\u00f6bel immer wieder zu kaufen? Oder wer hat gar schon selber aus einem eher unscheinbaren M\u00f6bel ein schmuckes Shabby-Chick-Teil kreiert? Ich frage mich, wann wir die ersten neuen Autos mit runden Scheinwerfern und verrosteten Ecken sehen werden. Und vielleicht wieder einmal mit Weisswandreifen? Das w\u00e4r doch was!<\/p>\n<p>Auch beim Essen scheint dieser Trend immer mehr Einzug zu halten. Alte Gem\u00fcse- und Fr\u00fcchtesorten sind beliebter denn je. Und die schon immer sehr beliebten Kochrezepte (wer kennt nicht die schon von unseren Eltern in unz\u00e4hligen Versionen gesammelten Betty Bossi Kochb\u00fccher &#x1f60a;?) findet man heute in jeder Zeitschrift und in unz\u00e4hligen Online-Foren. Und immer mehr drehen sie sich in letzter Zeit um Themen wie \u00abEssen wie im Mittelalter\u00bb oder ganz aktuell \u00abdas \u00e4lteste deutschsprachige Kochbuch der Schweiz\u00bb &#8211; die bisch\u00f6fliche K\u00fcche von Chur im 16. Jahrhundert. Erst gerade erschienen und schon ausverkauft!<\/p>\n<p>Woher kommt dieser Wunsch, dieser Drang nach annodazumal?<\/p>\n<p>Ein Grund d\u00fcrfte der allgemeine gesellschaftspolitische Trend sein: Ich denke, dass fr\u00fcher die Menschen meist eine \u00abbessere Zukunft\u00bb vor Augen hatten. Heute orientieren sich viele mehr an der \u00abguten alten Zeit\u00bb.<\/p>\n<p>Ein anderer Grund d\u00fcrfte sicher auch der sein, dass die Menschen heute versuchen, sich immer ges\u00fcnder zu ern\u00e4hren. Bio, Regional, Clean Eating, Superfoods etc. sind in aller Munde. Und somit ist der Schritt zu den alten Rezepten, welche ohne Ausnahme aus frischen, unverarbeiteten, regionalen Zutaten zu 100% selbst gemacht wurden, nicht mehr gross.<\/p>\n<p>Und so habe ich vor wenigen Tagen unsere letzten Trauben in Konfit\u00fcre verwandeln wollen und habe ein neues Rezept dazu gesucht, da es mir als als zu langweilig erschien, immer nur 1kg Trauben und 1kg Gelierzucker zusammenzumischen und fertig. Das Rezept war von \u00abdoazmol\u00bb und enthielt sage-und-schreibe eine halbe Seite Anleitung, wie man den Zucker \u00abl\u00e4utern und zu Faden kochen\u00bb sollte. Aha, in der Tat, es gab damals noch keinen Gelierzucker! Der Rest des Rezeptes war spannenderweise ziemlich exakt so, wie meine Schnellvariante aussah. Und so habe ich schliesslich in Anbetracht meines Zeitplanes dann doch wieder auf meinen modernen Gelierzucker zur\u00fcckgegriffen und das \u00abannodazumal\u00bb-Rezept f\u00fcr einmal links liegen gelassen\u2026<\/p>\n<p>Euer Pascal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annodazumal ist trendy. Und zwar schon seit l\u00e4ngerem. Ich kann mich daran erinnern, wie wir vor \u00fcber 15 Jahren begonnen hatten unsere erste Wohnung einzurichten. Unser Ziel war es damals, die rein aus IKEA bestehende M\u00f6bel-Sammlung langsam aber stetig mit einzelnen ausgesuchten St\u00fccken zu ersetzen. 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